Gefühle und Vernunft

Gefühle und Vernunft - Thesen

Zu diesen beiden generell und besonders für die Freimaurerei bedeutsamen Begriffen einige wesentliche thesenartige Aussagen aus dem Inhalt des Buches "Management der Gefühle" des Bruders Dr. Klaus Preiss, der unserer Loge seit 1977 angehört:

 

  1. Gefühle (i.e.S.) sind angeborene Instrumente des Unbewussten und steuern - auch über die Bildung von Motiven - Verhalten.
  2. Gefühle haben prinzipiell die Aufgabe, Verhalten im Sinne der Selbst- und Arterhaltung zu steuern.
  3. Auch unsere Vernunft steuert unser Verhalten, aber in anderer Weise als es unsere Gefühle tun.
  4. Gefühle und Vernunft sind unterschiedlichen Teilen unseres Gehirns zugeordnet und unterliegen unterschiedlichen biologischen Gesetzmäßigkeiten unseres Gehirns. Dieses Gehirn setzt emotionale Antriebe - entsprechend der Aufgabe, dem Überleben zu dienen - sehr viel schneller in Verhalten um als das Großhirn die Ergebnisse die Ergebnisse bewusster Prozesse des Überlegens.
  5. Während die Gehirnforschung über die Funktion und den Sitz der Gefühle im Gehirn relativ umfangreiche Erkenntnisse hat, weiß man immer noch wenig über das Ich-Bewusstsein , geschweige denn wo dieses Ich-Bewusstsein seinen Sitz hat.
  6. Etwas wie eine Seele wurde bisher von der Gehirnforschung nicht entdeckt. Doch gibt es - so zum Beispiel Aussagen des Nobelpreisträgers und Hirnforschers Sir John Eccles - vage Hinweise auf die Möglichkeit der Existenz eines Ichs außerhalb der bisher erforschten Materie des Gehirns.
  7. Ebenso wenig konnte aus den bisherigen Ergebnissen der Hirnforschung der geringste Anhaltspunkt für die Existenz eines 'Freien Willens' abgeleitet werden. Insoweit spricht die Erkenntnis der Vernunft dafür, dass es einen solchen 'Freien Willen' nicht gibt. Dies folgt auch aus anderen Überlegungen wie der folgenden: Im Kosmos gilt das Kausalgesetz, wonach nichts ohne vorausgegangene Ursache geschieht. Der Mensch ist ein Teil des Kosmos; der Geist des Menschen hat seine Basis im Körperlichen, Materiellen. Also gilt das Kausalgesetz auch für das menschliche Leben. Der Wille des Menschen kann daher aus Sicht der Vernunft nicht frei sein.
  8. Unser Verhalten wird jedoch nicht von unserer Vernunft, sondern - wie gezeigt gehirnorganisch bedingt - durch unsere Gefühle dominiert. Diese Welt unserer Gefühle, unser Erleben, gibt uns jedoch auf die Frage der Willensfreiheit eine andere Antwort: Wir erleben die Freiheit unserer Entscheidung und fühlen uns daher verantwortlich. Dieses Gefühl und Erleben von Verantwortlichkeit und Willensfreiheit repräsentieren eine lebensnotwendige - aus religiöser Sicht eine schöpfungsgewollte - Illusion, weil eine Spezies Mensch, der Schuld und Verantwortungsbewusstsein fremd wäre, kein gedeihliches Zusammenleben der Menschheit, ja mehr noch: kein Überleben ermöglichen würde.
  9. Die Existenz dieser beiden Welten kennzeichnet eine Widersprüchlichkeit, die als Leitlinie unser gesamtes Leben bestimmt. Es ist daher ein grundlegender Fehler, in den Kategorien eines Entweder-oder zu denken, da es tatsächlich nur selten eindeutige Wahrheiten gibt. Antworten im Sinne eines Sowohl-als-auch werden den unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens besser gerecht.
  10. Die Erkenntnis der Schicksalhaftigkeit unseres Lebens kann uns im Leben Trost und Hilfe sein. Sie kann uns in Bezug auf die Vergangenheit helfen, Geschehenes besser zu verstehen und in einem tröstenden und versöhnlichen Licht zu, so wie es beispielsweise bereits der Philosoph Arthur Schopenhauer zum Ausdruck brachte. Es kann uns auch dazu führen, dem Verhalten unserer Mitmenschen mit mehr Nachsicht zu begegnen.

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