Quantenphysik und Glaube

Erkenntnisse der Quantenphysik
und
Glaube an einen persönlichen Gott

Die Lehrart der Großen Landesloge enthält den Glauben an einen persönlichen Gott, an einen Gott, der nicht nur Schöpfer, sondern auch Regierer dieser Welt ist. Im Gegensatz dazu tendieren die Logen der AFAM zum Deismus, einer Vernunftreligion, die Gott lediglich als Schöpfer sieht. Dieser Gegensatz findet sich in gewisser Weise auch zwischen der klassischen Physik, die auf Newton beruhte, und der Quantenphysik. Vor etwa hundert Jahren begann die Quantenphysik das Weltbild der klassischen Physik auf den Kopf zu stellen, ohne dass dies zunächst von der Öffentlichkeit beachtet wurde. Und auch heute noch ist das nicht viel anders, doch es kann anders sein und dazu sollen die folgenden Zeilen beitragen.

 

Die Erkenntnisse der Quantenphysik waren zunächst einmal für Albert Einstein eine Art Revolution seines Weltbildes. Albert Einstein (1879 – 1955) war im Gegensatz zur Quantenphysik bis an sein Lebensende davon überzeugt, dass alle Vorgänge durch eine Ursache voraussagbar (!) bestimmt waren.

Worum ging es?

Quanten werden die kleinsten Teilchen (Elektronen, Protonen, Neutronen, Quarks und dergleichen mehr) genannt, kleiner als ein Atom und zumeist in diesem enthalten. In dieser Welt sind Ursache und Wirkung nicht oder nicht genau zu erfassen, zu beobachten und zu messen; exakte Voraussagen sind nicht möglich, sondern nur noch Wahrscheinlichkeiten.

Die Quantenphysik wurde daher im Anfang des vorigen Jahrhunderts von Quantenphysikern als eine Revolution bezeichnet. Symbol dafür war die unterschiedliche Bewertung der neuen Erkenntnisse durch Albert Einstein und Niels Bohr (1885 – 1962), dem Schöpfer des Atommodells.

Einstein sah sein Weltbild gefährdet, wonach bei der Schaffung des Kosmos durch die gleichzeitig geschaffenen Naturgesetze ein Gott – wenn es ihn denn gegeben hätte – sich selbst entmachtet hatte. Alles war determiniert, vorausbestimmt, freilich eine Auffassung, die für einen religiösen Menschen ein Dilemma ist, denn ein Gott hätte keine Möglichkeit mehr, in das Geschehen in unserer Welt und in unserem Leben einzugreifen. Dieses Weltbild – das Weltbild also auch von Albert Einstein - wurde nun Anfang des 20. Jahrhunderts durch die quantenphysikalischen Erkenntnisse in Frage gestellt. Einstein akzeptierte dieses Ergebnis nicht, sein klassisch gewordener Ausspruch war damals:

»Der liebe Gott würfelt nicht«

Gegenteiliger Auffassung und der wesentlichste Diskussionspartner von Einsteins war damals der dänische Physiker Niels Bohr und dessen ebenfalls klassisch gewordene Antwort war:

»Aber es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, Gott vorzuschreiben, wie Er die Welt regieren soll«

Bohr und andere Quantenphysiker mit ihm und nach ihm scheinen zumindest zum Teil der Auffassung zu sein: Die Erkenntnisse der Quantenphysik haben einen persönlichen Gott, der die Welt regiert auch aus naturwissenschaftlicher Sicht möglich erscheinen lassen. Dieser Umstand bestimmte denn auch zum Beispiel das Leben von Dieter Hattrup, nämlich sich zum Priester weihen zu lassen, nachdem er zuvor Mathematik und Physik, sodann Theologie studierte. Heute ist Dieter Hattrup zweifacher Dr. und Professor an der Universität Paderborn, dies alles nachzulesen in seinem zuletzt 2006 erschienenen Buch „Einstein und der würfelnde Gott“ (siehe dazu auch www.dieterhattrup.de). Wesentlich war für Hattrup insbesondere die Lektüre der Lebenserinnerungen des Physikers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg (Der Teil und das Ganze, 8. Auflage 2010 – Heisenberg lebte von 1901 - 1976), eine Lektüre, die nun auch mich intensiv beschäftigt hat. Aber auch durch das Lesen anderer Bücher habe ich mir einen mir ausreichend erscheinenden Überblick über Quantenphysik verschafft, um folgendes schreiben zu können:

Quantenphysik ist eine Mischung von Dichtung und Wahrheit, von Vermutungen und Feststellungen. Einerseits wird offen von den Grenzen des Erkennens gesprochen, weil alles wie im Nebel ist, andererseits aber auch von Gesetzen und Regeln. Im Grenzbereich gelten – so Niels Bohr – auch in der Quantenphysik die Gesetze der klassischen Physik. Insgesamt scheint mir daher die Vermutung Einsteins berechtigt, an denen dieser in den letzten 30 Jahren seines Lebens festgehalten hat: Auch in der Quantenphysik gilt Kausalität, das heißt für alles Geschehen gibt es eine Ursache. Das scheinbare Gegenteil könnte auf dem Nichtwissen beruhen, das die gesamte Quantenphysik wie einen roten Faden durchzieht. Jedenfalls erscheint mir die Feststellung von Quanten-Physikern sehr fragwürdig, man habe bewiesen, dass der Determinismus der klassischen Physik falsch sei. Wie kann man derartiges angesichts der weitgehenden Unwissenheit und der vielen Grenzen des Erkennens behaupten, frage ich mich. Ohnehin ist zu unterscheiden zwischen dem Determinismus der Physiker und jenem allgemeinen Determinismus, von dem ich mich habe überzeugen lassen. Denn den Physikern geht es, wenn sie von ‚determiniert sprechen, immer um die exakte Voraussagbarkeit und diese ist nun freilich in der Quantenphysik nicht vorhanden, sei es weil man nicht genau messen kann, sei es weil man nur Wahrscheinlichkeiten feststellen kann. In unserer Wirklichkeit des Alltags hat es jedoch schon immer Wahrscheinlichkeiten gegeben, sei es hinsichtlich der Lebenserwartung, sei es hinsichtlich der Wettervorhersagen, ohne dass dies Vorherbestimmung und Determinismus ausschließt. Ja mehr noch: Auch und gerade die Quantenphysiker sprechen davon, dass das Gesetz der Kausalität im Bereich der Makrophysik, also unserer alltäglichen Wirklichkeit, weiterhin Gültigkeit besitzt. Wenn es aber nun so ist, dass die mikrophysikalische Wirklichkeit die Grundlage und der Ausgangspunkt unserer makrophysikalischen Alltags-Wirklichkeit ist, wie kann denn dann ‚bei uns’ alles kausal begründet sein ohne dass dies nicht auch im Bereich der Mikrophysik, also der Quantenphysik gilt.

Zwei oder drei Phänomene möchte ich nun – es wird Zeit dazu - erwähnen:

Erstens die von Heisenberg festgestellte Unmöglichkeit, Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens gleichzeitig festzustellen; mehr noch, überhaupt eine genaue Beobachtung durchzuführen, weil mit der Beobachtung dem betreffenden Teilchen soviel Energie zugeführt wird, dass es dadurch angesichts seiner relativ geringen Eigenenergie seine Position verändert. Für die Feststellung dieser so genannten Unschärferelation erhielt Heisenberg den Nobelpreis.

Zweitens die Feststellung, dass Licht aus Quanten besteht, andererseits aber auch als Welle zu beobachten ist, stets jedoch nur entweder als Teilchen (Quanten) oder als Welle. Wellen- und Teilchen-Eigenschaften heißen komplementär, weil sie sich gegenseitig ausschließen, einander jedoch bedingen und gemeinsam wie zwei Seiten einer Münze eine Einheit, das Licht nämlich bilden.

Diese Komplementarität scheint die Quantenphysik als eine Art roter Faden zu durchziehen, also ein Dualismus, der dem Dualismus meines Weltbildes entspricht, der Tatsache insbesondere, dass uns unsere Vernunft beweist, dass es keinen freien Willen geben kann, dass unser Gefühl aber unüberwindbar ist, dass wir sehr wohl diesen freien Willen haben und daher für unser Tun und Lassen verantwortlich sind, was ich als angeboren und in der Evolution bewährt sehe, weil der Mensch ansonsten nicht hätte überleben könnte, denn er ist ein soziales Wesen.

Die Quantenphysik scheint mir also dieses mein dualistisches Weltbild keineswegs in Frage zu stellen, denn dieses erscheint mir wie eine Art Spiegelbild von Quantenphysik und klassischer Physik. Auch diese beiden gehören wie zwei Seiten einer Münze zusammen, wenngleich die erstere die Gesetze der letzteren teilweise auf den Kopf gestellt hat und Quantenphysiker davon sprechen, wer über die Phänomene der Quantenphysik nicht entsetzt sei, der hätte sie nicht verstanden.

Die Beschäftigung mit den nebelhaften Grenzen des Wissens in der Quantenphysik, das spekulative des Denkens scheint viele Quantenphysiker zum Glauben an einen persönlichen Gott geführt zu haben, wie den bereits erwähnten Priester und Professor Dieter Hattrup, aber auch den Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg, der in seinen Gedanken bis zur Schöpfung zurück geht, wenn er davon spricht, dass aus Energie Materie entstehen könne (z.B. Heisenberg S. 159) und dass es in der Quantenphysik auch um Energiefelder gehe. An dieser Stelle nun erinnere ich mich an den Gehirnforscher John C. Eccles, einen gläubigen Menschen, der sich hartnäckig bis an sein Lebensende mit der Frage beschäftigt hat, wo denn das ‚Ich’ oder ‚Selbst’ seinen Sitz im Gehirn hat, denn niemand hat es bisher lokalisiert, auch er nicht. 1993 als Neunzigjähriger veröffentlichte er schließlich auf der Grundlage quantenphysikalischer Erkenntnisse ein Buch ‚Wie das Selbst das Gehirn steuert’ und darin die Hypothese (S.451 – und siehe Preiß, ‚Management der Gefühle’, Seite 89ff), dass es sich bei diesem Selbst um ein quantenphysikalisches Feld handelt, welches das Gehirn umgibt. Von dieser Hypothese zu der nun folgenden Hypothese scheint mir nur ein kleiner Schritt zu sein: Könnte es nicht sein, dass dieses Energiefeld die Ebene ist, über die ein persönlicher Gott mit uns kommunizieren und uns und damit die Welt regieren kann?

So also scheint die Quantenphysik den in unserem Orden vertretenen Glauben an einen persönlichen Gott zu bekräftigen.

 

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